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Atlastherapie

Der Atlaswirbel ist der erste und damit schädelnächste Wirbel, der den 5 bis 6 kg schweren Kopf trägt. Gemeinsam mit den Muskeln und Sehnen im oberen Nacken bildet er aufgrund deren außergewöhnlich dichten Versorgung mit Nerven, die die Stellung des Körpers registrieren und steuern, eine Art Sinnesorgan, das sehr empfindlich für Verletzungen, Fehlbelastungen und Funktionsstörungen ist. Diese krankhaften Zustände werden als falsche Information an das Gehirn weitergegeben.

Bei der Atlastherapie handelt es sich um eine Reflextherapie, die auf minimalen Impulsen beruht. Wie bei der Manualtherapie kommen auch hierbei ausschließlich die Finger oder Hände des Behandlers zum Einsatz. Mit besonderen manuellen Techniken soll das normale Bewegungsspiel wiederhegestellt werden. Die fehlerhaften Informationen werden normalisiert. So wird der krankhafte Zustand verbessert oder behoben.

Die Atlastherapie ist ein Konzept der ganzheitlichen Behandlung des Bewegungsapparates. Da die Stellung des Atlaswirbels bei jedem Menschen individuell positioniert ist, wird sie vor Behandlungsbeginn durch eine spezielle Röntgenaufnahme bestimmt. Zudem erfolgt die segmentale Bestimmung der Muskelspannung und Temperatur. Die Therapie findet aus der Neutralstellung statt, also ohne Zug und Drehung des Kopfes.

Entscheidend für den Erfolg der Atlastherapie sind der richtige Behandlungspunkt sowie die Schnelligkeit und Intensität des Impulses. Oftmals verspürt der Patient eine rasche Besserung durch die Lockerung der verspannten Muskulatur.

Bei Erwachsenen bietet sich die Behandlung u. a. bei Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Skoliose, Schleudertrauma, Tinnitus, Schwindel und Kiefergelenksdysfunktionen an. Die sanfte Therapieform ist jedoch auch für Säuglinge und Kinder  geeignet.

Die Atlastherapie zählt zu den regulativen Therapien und ist somit keine schulmedizinische typische Regelbehandlung. Sie wird in Kombination mit bzw. ergänzend zu anderen medizinischen Verfahren angewendet. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen.

Säuglings- und Kinderbehandlung

Kleinen Patienten widmen wir in unserer Praxis ein besonderes Augenmerk. Unser Ziel ist es, sie in allen Lebensphasen dabei zu unterstützen, später im wahrsten Sinne des Wortes aufrecht und gesund durchs Leben zu gehen.

Störungen am Bewegungsapparat sind nicht selten Ursache für Krankheiten oder Entwicklungsstörungen bei Babys oder Kleinkindern. So können z. B. Unruhe, Trinkschwäche oder übermäßiges Schreien Ausdruck einer Störung der Bewegungssegmente der Wirbelsäule sein. Sog. Kopfgelenksfunktionsstörungen sind häufige Ursache für Entwicklungsverzögerungen, Asymmetrien oder zu spätes Laufen. Später kommen vielfach Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite oder Teilleistungsschwächen hinzu.

Gezielte manualtherapeutische Behandlungen wie die sanfte Atlastherapie können hier Abhilfe schaffen und eine normale und problemlose Entwicklung fördern. Ungestörte Funktionen der Becken-, Bein- und Fußgelenke sind Grundvoraussetzung für eine optimale Laufentwicklung. Haltung ist ein Entwicklungsprozess, der in jeder Altersphase aufmerksam beobachtet werden sollte. So lassen sich im Erwachsenenalter frühzeitige Verschleißprozesse vermeiden.

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg einer Therapie ist neben einer umfassenden und langjährigen Erfahrung vor allem auch ein hohes Maß an Sensibilität für die kleinen und kleinsten Patienten.

Indikationen für die Atlastherapie bei Säuglingen und Kindern:

  • Geburtstrauma
  • Lageanomalie
  • Skoliose
  • motorische Entwicklungsverzögerung
  • KISS-Syndrom
Atlastherapie Kinder Dr. Thieme

CMD-Therapie

Bei einer Cranio Mandibulären Dysfunktion (CMD) handelt es sich um eine komplexe Erkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Ursache ist eine Fehlfunktion des Kausystems. Passt das Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer nicht perfekt, stimmt also die Bisslage nicht, hat dies sehr häufig gravierende Auswirkungen auf die Körperstatik und das vegetative Nervensystem.

Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, aber auch Tinnitus oder Schwindel zählen zu den häufigsten Symptomen einer CMD. Menschen mit solchen oder ähnlichen Beschwerden haben nicht selten eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Um Patienten mit CMD wirksam helfen zu können, bedarf es eines ganzheitlichen medizinischen Ansatzes in einem interdisziplinären Ärzte- und Therapeutennetzwerk, zu dem neben qualifizierten Orthopäden und Manualmedizinern vor allem spezialisierte Kieferorthopäden oder Zahnärzte sowie Physiotherapeuten gehören.

Eine symmetrische Körperstatik ist bei CMD-Patienten der Schlüssel zum Therapieerfolg. Die Überprüfung und Behandlung der Wirbelsäule muss daher zwingend den ersten Schritt darstellen. Über diesen Weg werden die ursächlichen oder begleitenden Fehlfunktionen des Bewegungssystems beseitigt. So wird die Voraussetzung für eine nachhaltig wirksame Beseitigung der CMD-Problematik geschaffen.

Diese Aufgabe kommt dem erfahrenen und auf diesen Bereich spezialisierten Orthopäden zu. Mögliche Störungen in der Körperstatik werden ermittelt und muskuläre Dysbalancen im Rahmen eines Bewegungs- und Haltungsstatus untersucht. Die 4-D-Vermessung der Wirbelsäule ist hier ein wichtiges diagnostisches Verfahren. Mithilfe der Manualmedizin und der Atlastherapie werden vorhandene Blockaden gelöst und die Körperstatik optimiert.

Aufgabe des im Bereich der CMD erfahrenen Kieferorthopäden oder Zahnarztes ist es nun, den zur neuen symmetrischen Körperstatik passenden Biss zu finden und gemeinsam mit den Ärzten im Netzwerk die Körper- und Bissstatik zu vereinen. Neben einer speziellen Therapieschiene ist in aller Regel eine Bisskorrektur durch kieferorthopädische oder zahnärztliche Maßnahmen notwendig, um dauerhafte Beschwerdefreiheit zu erreichen.

Häufige Begleitsymptome einer CMD:

  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Rückenschmerzen
  • Bandscheibenbeschwerden
  • Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose)
  • Blockaden / Verspannungen im Bereich der Nacken, Schulter- oder Rückenmuskulatur
  • Beckenschiefstand
  • Tinnitus
  • Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
Atlastherapie CMD Dr. Thieme

KISS-Therapie

Die Abkürzung KISS steht für Kopfgelenk induzierte Symmetrie-Störung. Diese Fehlhaltung bei Säuglingen oder Kleinkindern wird häufig bei der Geburt verursacht. Vor allem bei schwierigen Geburten, bei denen eine Steiß- oder Beckenendlage bzw. eine Schieflage im Mutterleib vorliegt, aber auch bei Not-Kaiserschnitten, sehr langen oder Zwillingsgeburten kommt es zu einer überdurchschnittlich starken Belastung der Wirbelsäule des Neugeborenen.

Die Blockierungen in einem Wirbelsäulensegment führen zu Verkrampfungen, einseitiger Muskulaturverkürzung sowie einer daraus resultierenden dauerhaften Verhärtung. Die betroffenen Kinder (KISS-Kinder) leiden oftmals unter einer Vielzahl von Störungen, die eine Verzögerung der kindlichen Entwicklung nach sich ziehen. Neben den offensichtlichen Symptomen Schreien und Schädeldeformation sind vor allem Entwicklungsstörungen problematisch, denn diese haben Komplikationen in späteren Entwicklungsphasen zur Folge. Erfolgt hier keine rechtzeitige Behandlung, kompensiert der kindliche Organismus die Schmerzen und Einschränkungen. Das Kind gewöhnt sich eine schmerzfreie (Fehl)Haltung an, die in ausgeprägten Fällen als sog. „Schiefhals“ sichtbar wird.

Ziel der KISS-Therapie ist es, die Verspannungen und Verhärtungen – und damit die Fehlfunktionen – dauerhaft zu lösen. Mithilfe der Atlastherapie, die ggf. in Kombination mit weiteren manuellen Therapien angewendet wird, werden die Fehlstellungen sanft und einfühlsam gelöst. Dabei wird nichts eingerenkt, sondern mit viel Gefühl und behutsamem Druck ein Impuls gesetzt. Mit sanften Berührungen wird der kleine Organismus bei der Neuausrichtung unterstützt. Oftmals ist bereits eine Behandlungseinheit ausreichend. In der Folgezeit sollte das Verhalten des Kindes genau beobachtet werden. Bei der sich anschließenden Folgeuntersuchung berichten viele Eltern über deutliche Verbesserungen.

Die KISS-Therapie zählt zu den regulativen Therapien und ist somit keine schulmedizinische typische Regelbehandlung.

Auffälligkeiten bei KISS-Kindern:

  • asymmetrische Haltung
  • Kopfschiefhaltung
  • Kopfhalteschwäche und / oder ausgeprägte Kopfrückbeuge / Überstreckung
  • einseitige Schlafhaltung / durchgestreckte Haltung beim Schlafen
  • hohe Berührungsempfindlichkeit des Nackens
  • Schlafstörungen, häufiges Aufwachen
  • Schlagen oder Pressen des Kopfes gegen die Bettwand („Head Banging“)
  • einseitige bevorzugte Blickrichtung
  • abgeplatteter Hinterkopf
  • verlängerte bzw. ausgeprägte Drei-Monats-Koliken
  • Trinkprobleme (z. B. starkes Sabbern)
  • (meist einseitige) Stillprobleme
  • verstärktes und anhaltend langes Schreien (Schreibaby, Schreikind)

Jedes Symptom für sich genommen kann auch andere Ursachen haben. Treten jedoch mehrere der genannten Symptome gleichzeitig auf, ist eine KISS-Diagnose ratsam.

Atlastherapie KISS Dr. Thieme